MUAI – Traditionelles Boxen (Das originale Muay Boran)

MUAI (auch DTIE MUAI, MUAI DUEKDAMMBAN oder „das originale Muay Boran“) ist traditionelles Boxen unter Verwendung der vier körpereigenen Waffenarten Faust, Fuß, Ellenbogen und Knie.

Um in Friedenszeiten zu überleben, hielten Pahuyuth Freikämpfer etwa ab 900 nach Chr. Improvisationskämpfe mit Faustschlägen, Tritten, Ellenbogen- und Kniestößen ab. Daraus entstand eine neue Kampfmethode namens MUAI aus der später der thailändische Nationalsport Muay Thai (Thaiboxen) und andere südostasiatische Kampfstile (z.B. Bokator, Pradal Serey, Lethwei, Muay Lao, etc.) hervorgingen.

Als direkter Ableger des LING LOM erwies sich das MUAI als äußerst effektiv im Nahkampf, weshalb es von den damaligen Freikämpfern in das Pahuyuth zurückgeführt und in seiner ursprünglichen Form bewahrt wurde. Aufgrund seiner einzigartigen Herkunft kann MUAI als das „originale Muay Boran“ (altertümliches Muay) bezeichnet werden.

In der Anfängerstufe wird MUAI noch mit 8oz. Boxhandschuhen trainiert. Ab der Mittelstufe entfallen diese und fortgeschrittene Schüler beziehen ebenso Bodenkampftechniken aus dem LING LOM mit ein.

Durch die Fokussierung auf unreglementiertes Kämpfen mit blanken Fäusten, eignet sich MUAI hervorragend für moderne Selbstverteidigungszwecke und bietet lernwilligen Schülern einen praxisnahen Einstieg ins Pahuyuth.

MUAI ist wie fliessendes Wasser …

Typologie des MUAI

MUAI ist ein aus dem LING LOM abgeleitetes, diesem assoziiertes Stehkampfsystem, das die vier körpereigenen Waffenarten Faust, Fuß, Knie und Ellenbogen einsetzt. Die Nutzung der Kampftechniken im MUAI verfolgt das Prinzip von Stoßen und Schlagen. Für die vier Elemente werden Varianten und Kombinationen gebildet.

Da es sich beim MUAI um keinen Sportkampf handelt, gibt es hier auch keine sportlich bedingten Einschränkungen (z.B. Wettkampfregeln, Rundenzeiten, Fairness, etc.). Das Kämpfen gegen mehrere Gegner gehört ebenso zum Repertoire wie das Kämpfen ohne Handschuhe und Bandagen (Bare-Knuckle). Zur eindeutigeren Unterscheidung zwischen Boxsport („Muay“, „Muay Veti“, „Muay Thai“, etc.) und der dem PAHUYUTH zugehörigen Kampfdisziplin wird „MUAI“ mit einem „i“ geschrieben.  

Die Faust- und Fußtechniken zählen im MUAI zu den Distanzwaffen. Die Fausttechniken werden als gerade, kurvenförmige oder gemischte Techniken geführt. Sie zielen häufig aber nicht ausschliesslich auf den Kopf bzw. Oberkörper des Gegners. Die Fußtechniken unterscheiden sich in ihrem Einschlagswinkel nach steigend, parallel und fallend. Prinzipiell können sie gegen jedes gegnerische Körperteil eingesetzt werden. 

Die Ellenbogentechniken eignen sich insbesondere für die Verteidigung gegen Angriffe und als präzise Nahkampfwaffe. Sie werden in steigender, paralleler und fallender Richtung ausgeführt. Knie werden ebenfalls zum Angriff und zur Abwehr genutzt. Die Stabilität der Knietechniken basiert auf den Prinzipien des Gegenzugs, der Gegenrotation und der Balance. Die Befähigung zur Anwendung dieser Prinzipien bestimmt die zu erwartende Wirkung. Als Nahkampfwaffe werden Knievarianten in steigend, parallel und fallend eingeteilt. 

Die Kampfart des MUAI basiert auf der Kombination der vier körpereigenen Waffenarten im Verhältnis zur jeweiligen Körperposition sowie in der Abfolge von Angriffs- und Verteidigungstechniken. Die Standfestigkeit des Kämpfers gilt dabei als Grundbedingung, um die Kampftechniken optimal ausführen zu können. 

Strategie und Taktik des MUAI ähneln einem Jagdspiel von Räuber und Beute. Mit zunehmender Kompetenz und Fähigkeit verschiebt sich der Fokus des Kämpfers von einfachen Entscheidungsschlägen zu einer vollständigen Kontrolle des Kampfverlaufes. Art und Zeitpunkt des Sieges bestimmt er selbst. Das taktische Vorgehen lässt sich mit einem Schachspiel vergleichen, bei dem sowohl mit Risikobereitschaft als auch mit gebotener Behutsamkeit und Umsicht gegen einen erfahrenen Gegner gespielt wird.

MUAI Techniken

MUAI Schüler der Basisstufe (Grüngurt) lernen 200 Grundtechniken.

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Das Pahuyuth Kompendium enthält die 200 Grundtechniken des MUAI.

MUAI and MUAY THAI

Wir werden häufig gefragt, wo die Unterschiede zum thailändischen Nationalsport Muay Thai (Thaiboxen bzw. Muay Veti) bzw. zum Thai-Kickboxen liegen. Die wichtigsten Fakten zu diesem Thema haben wir in einem eigenen Blogbeitrag zusammengetragen.

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MUAI – The original Muay Boran

Durch den Film ONG BAK mit Tony Jaa in der Hauptrolle wurden traditionelle Kampfstile aus Thailand weltweit bekannt. Was nur die wenigsten wissen: Das sogenannte „altertümliche Muay“ (Muay Boran) ist kaum älter als der oben genannte Film aus dem Jahr 2003 und hat nur wenig mit alten Kriegskünsten gemein.

Muay Boran wurde Mitte der 1990er Jahre entwickelt als das MMA (mixed-martial arts) begann das Muay Thai aus dem Markt zu verdrängen. Eine wirtschaftlich orientierte Interessengemeinschaft aus Thailand erschuf daraufhin ein loses Curriculum aus Techniken, die nicht mehr in sportlichen Wettkämpfen (Muay Veti) erlaubt waren und fantasievollen Showtechniken, die aus einer Zeit nach dem Rückzug der alten Freikämpfer stammen.

Zur besseren Abgrenzung kam das Tragen von Handbandagen und Seilen in Mode. Angeblich sollen diese von Kriegern auf dem Schlachtfeld genutzt worden sein. Dies scheint jedoch unlogisch, wenn man bedenkt, dass auf historischen Schlachtfeldern stets Waffen (z.B. Thai-Schwerter) genutzt wurden, die man kaum fachgerecht mit bandagierten Händen führen kann.

Muay Boran war und ist für viele ein gutes Geschäft. Ob der thailändischen Kultur damit ein Gefallen getan wurde, liegt im Auge des Betrachters.

Anders als das Muay Boran, vermag das in der Pahuyuth Schule in Berlin gelehrte MUAI auf eine mehr als eintausend Jahren Geschichte und Entwicklung zurückzublicken und kann somit tatsächlich als „altertümlich“ eingestuft werden. Aus diesem Grund bezeichet man MUAI als „das originale Muay Boran“.

Bare-Knuckle – Kämpfen ohne Handschuhe und Bandagen

„Rudelboxen“ – Kämpfen gegen mehrere Gegner

Die traditionelle Fußbegrüßung

MUAI wird traditionell ohne Zahnschutz, Kopfschutz, Brustschutz, Matten oder Schienbeinschoner trainiert. Anfängern dieser Disziplin werden 8oz. Boxhandschuhe und gegebenenfalls ein Unterleibsschutz zugestanden.

MUAI Schüler (Grüngurt) trainieren zu Beginn ihrer Laufbahn nur mit Faust- bzw. Boxtechniken. Erst bei Erreichen eines bestimmten Kenntnisstandes werden sie in die hohe Kunst des Kickens eingeführt. Dies geschieht seit jeher mit der sogenannten „Fußbegrüßung“.

Die Fußbegrüßung ist ein Ritual bei dem der zu initiierende Schüler ein Partnertraining mit all jenen ausführt, die selbst schon einmal durch diese Initiation hindurchgegangen sind. Ihm oder ihr ist es dabei gestattet sich nach belieben mit Faust- und/oder Knietechniken zu verteidigen.

Obwohl diese einzigartige Erfahrung zumeist mit extremen Schmerzen verbunden ist, verfehlt diese Prozedur nur selten ihr Ziel. Bei fachgerechter Ausführung, kann die Fußbegrüßung dabei helfen den Körper und die Psyche des Schülers auf den Umgang mit Kicktechniken vorzubereiten.

Für gewöhnlich hält dieser Effekt ein Leben lang und ersetzt Schienbeinabhärtung und Schienbeinschoner.

Die traditionelle Fußbegrüßung wird in der Pahuyuth Schule Berlin seit über vierzig Jahren praktiziert. Bislang ist jeder einzelne Schüler erfolgreich durch diese Prozedur hindurchgegangen.

Für Praktizierende der Disziplin MUAI gilt es gemeinhin als große Ehre und Freundschaftsdienst, einem anderen Freikämpfer bei der Fußbegrüßung zu initiieren.

MUAI Training in Berlin

Die Zugangsvorraussetzung für die Disziplin MUAI ist der Pahuyuth Schülerstatus (Grüngurt), der ein Bestehen der Aufnahmeprüfung voraussetzt.

Die Zulassung zur Aufnahmeprüfung erfordert in der Regel eine Teilnahme am Probeschülerkurs.

… und nicht wie ein Baum der in der Erde steht.

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