MIED – Traditioneller Messerkampf

MIED (Messer) ist traditioneller Waffenkampf mit unterarmlangen Gegenständen, wie beispielsweise Messern, Äxten oder Sicheln.

Nur wenig ist über die alten Pahuyuth Messerkämpfer bekannt, da sie sich vorzugsweise in den Schatten bewegten und verdeckt hinter den feindlichen Linien operierten. Dabei führten sie oft nur einfache Hand- oder Werkzeugmesser bei sich, die es ihnen ermöglichten unauffällig feindliche Stellungen zu infiltrieren und den Feind von innen heraus zu besiegen.

Die Besonderheit des MIED besteht darin sich die Waffen des Gegners zunutze zu machen, um diese gegen ihn zu richten oder beliebige Gegenstände aus der Umgebung als improvisierte Waffen einzusetzen. Aus diesem Grund sind MIED-Kämpfer im zivilen Leben meistens unbewaffnet, was ebenso ein Teil ihres traditionell überlieferten Schattenkämpfer-Kodexes ist.

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Ein Messer ist wie die Krallen eines Raubtieres …

Die Schattenkrieger des General Tak Sin

Nach der Zerschlagung der Hauptstadt Ayutthaya durch die Burmesen im Jahr 1767 n.Chr., verteilten sich die Thai in mehreren Gruppierungen über das Land.

Der Fahnenflucht und des Verrates beschuldigt, entschloss sich General Tak Sin mit seinen noch verbliebenen 400 Mann (darunter auch Pahuyuth Freikämpfer), die fünf größten Thai-Gruppierungen wieder zu vereinen.

Der General war selbst ein guter Kämpfer und pflegte seit je her enge Kontakte zu den Pahuyuth Freikämpfern. Da sein Gefolge sehr klein war, ließ er Spezialeinheiten von etwa fünf bis sechs Mann oder als Einzelkämpfer aufstellen.

Diese waren in unterschiedlichen Waffengattungen ausgebildet, führten aber immer nur kleine Hand- oder Werkzeugmesser bei sich, um unentdeckt zu bleiben. Erst bei direktem Feindkontakt, überwältigten sie ihre Gegner und verschwanden wieder in der Dunkelheit. Dabei waren sie häufig darauf angewiesen improvisierte Waffen zu nutzen oder die mitgeführten Waffen der Gegner für sich zu instrumentalisieren.

Die für jene Zeit sehr ungewöhnliche Strategie war ein Erfolg. Es gelang dem General und seinen Kriegern sich gegen die Burmesen zur Wehr zu setzen und die Thai-Stämme wieder zu vereinen. Um die Jahreswende 1767 gründete Pra Jauw Taksin die neue Hauptstadt Thonburi und wurde zum König der Thonburi-Ära gekrönt.

Durch die Aufnahme und Ausbildung von regulären Soldaten in jener Zeit (unter Praya Jaggrie), fanden die Guerilla Taktiken der Pahuyuth Freikämpfer und Fragmente ihrer Messerkampfart (MIED) Eingang in das spätere thailändische Militär.

Auch heute noch gilt es innerhalb der Disziplin MIED als angestrebtes Ideal, mit allen Waffengattungen vertraut zu sein, selbst aber keine eigenen Waffen mehr zu führen. Der Leitsatz für Pahuyuth Messerkämpfer lautet: Die Waffen bringt der Gegner mit.

Abgrenzung zur Messer-Selbstverteidigung

Pahuyuth Schüler, die sich für die Disziplin MIED entscheiden lernen traditionellen Messerkampf nach den Überlieferungen der alten Pahuyuth Freikämpfer. Da diese Kampfart für Kriegszwecke erschaffen wurde, ist sie nur sehr bedingt für die legale Selbstverteidigung geeignet.

Notwehr (auch gegen Messerangriffe) ist gemäß §32, Absatz 2 des Strafgesetzbuches der Bundesrepublik Deutschland:

„.. die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.“

Daraus folgt, dass die in manchen Selbstverteidigungskursen empfohlenen Präventivschläge (keine Gegenwärtigkeit) oder fortgesetzte Konterangriffe (keine Verteidigung, keine Erforderlichkeit, kein Abwenden), oder gar die Verwendung eines eigenen Messers (keine Verteidigung) in den allermeisten Fällen wohl eher als rechtlich unzulässig, wenn nicht sogar als eigenständige Straftat einzustufen sind.

Als Vertreter einer traditionellen Messerkampfart, distanzieren wir uns von derartigen Praktiken und trennen streng zwischen traditioneller Brauchtumspflege (Kampfkunst) und Messer-Selbstverteidigung, die in den meisten Ländern und Fällen immer nur eine erforderliche Verteidigung zu Zwecken der Abwendung eines gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriffes gestattet.

Weitere Informationen zum Thema Selbstverteidigung im Rahmen des Gesetzes finden sich auf unserer Themenseite.

Die Sache loslassen – Messerwerfen

Die Kunst des Messerwerfens gehört zu den Kernkompetenzen eines jeden Pahuyuth Messerkämpfers und ist seit je her ein fester Bestandteil der Ausbildung in der Disziplin MIED. Ebenso wie bei den meisten anderen Pahuyuth Disziplinen gibt es auch hier ein paar Besonderheiten, die diese Kampfkunst von anderen unterscheiden.

Keine Wurfmesser, keine Ninja-Sterne

Geworfen wird beim Pahuyuth mit so ziemlich allem was annähernd messerähnlich ist, jedoch nicht mit austarierten Wurfmessern oder Wurfsternen (Shuriken, Bo-Shuriken, etc.), zumal letztere seit April 2003 in Deutschland per Gesetz ausdrücklich verboten sind.

Wurfmesser haben zudem den Nachteil, dass ihr Schwerpunkt in der Regel in der Mitte des Messers liegt und sie zumeist über ein relativ hohes Gewicht verfügen (Sport-Wurfmesser wiegen üblicherweise über 200g). Dadurch erhalten diese Messer ein sehr gleichmäßiges und konsistentes Flugverhalten, an die sich der werfende relativ schnell gewöhnen kann.

Butterbrotmesser, Schraubenzieher, Nägel

Um die für Pahuyuth Freikämpfer notwendige Flexibilität zu erhalten und die Fähigkeiten unserer Schüler nachhaltig zu fördern, verwenden wir beim Messerwerfen daher ausschließlich preiswerte Alltagsgegenstände, wie ausrangierte Butterbrotmesser, Stahlnägel, Küchenmesser, Schraubenzieher, Holzbeitel, Fuchsschwanzsägen, Japanspachtel, u.v.m.. Natürlich kommen bei Bedarf auch Äxte, Beile, Campingbeile oder Tomahawks zum Einsatz.

Einige Beispiele für das Messerwerfen beim Pahuyuth haben wir in nebenstehendem Video eingefangen.

MIED TRAINING IN BERLIN

Die Zugangsvorraussetzung für die Disziplin MIED ist der Pahuyuth Schülerstatus (Grüngurt), der ein Bestehen der Aufnahmeprüfung voraussetzt.

Die Zulassung zur Aufnahmeprüfung erfordert in der Regel eine Teilnahme am Probeschülerkurs.

… und nicht wie der Stachel einer Biene.

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