Die wahre Geschichte des Krabi Krabong

Nach der Hinrichtung von König Tak Sin im Jahr 1782 n. Chr. zogen sich die noch verbliebenen Freikämpfer (Pahuyuthaus dem Licht der Öffentlichkeit zurück und gingen aus Angst vor Verfolgungen in den Untergrund.

Westliche Einflüsse und die steigende Anzahl europäischer Söldner mit modernen Schusswaffen im Land führten viele der alten Lehrer zu der Ansicht, dass ihr Wissen nicht mehr länger gebraucht werden würde. Viele von ihnen nahmen ihre Geheimnisse mit ins Grab. Diejenigen, die weiterhin lehrten, taten dies im Geheimen und fernab des königlichen Hofes.

Pahuyuth, die uralte Kampfkunst der gemeinen Leute, verschwand nach und nach aus dem Licht der Öffentlichkeit und wurde zu einer Legende der Vergangenheit. Die Existenz der alten Freikämpfer und ihre historische Bedeutung für das Schicksal des Landes wurde aus den Geschichtsbüchern getilgt und geriet in Vergessenheit.

Die Ursprünge des Krabi Krabong

Viele Jahre später – während der Regentschaft von König Rama II (1809-1826 n.Chr.) – entwickelten Angehörige des Königshauses eine neue Kampfart. Der Name dieser Kampfart lautet Krabi Krabong.

Krabi Krabong wurde ursprünglich erfunden, um eine attraktive, repräsentative und sichere sportliche Betätigung für noble Herrschaften zu sein. Später entstand daraus eine Art Bühnenfechten für Theaterstücke und zur Unterhaltung von ausländischen Gästen am Königshof. Für mehr als ein Jahrhundert war das Krabi Krabong ausschließlich Mitgliedern des Königshauses vorbehalten.

Verbreitung des Krabi Krabong

Erst im Jahr 1920 n. Chr. brachte ein Mann namens Ajarn Nak Thaephatsadin Na Ayutthaya (mit wohlwollender Unterstützung von König Rama VI) das Krabi Krabong in die Öffentlichkeit.

Wenige Jahre später (etwa um 1936) wurde Krabi Krabong in das Curriculum der thailändischen Sporthochschulen aufgenommen. Von hier aus wurde das Krabi Krabong zu einem Breitensport in Thailand.

In Folge dessen ist das Krabi Krabong noch nie in einem Kriegseinsatz gewesen. Weder wurde es in historischen noch in modernen Schlachten verwendet, noch wurde es jemals für diesen Zweck entworfen. 

Das Geschäft mit den Ausländern

In jüngster Zeit wurde vielen Menschen (insbesondere Nicht-Thailändern) erzählt, dass das Krabi Krabong von den alten Kriegern Siams erfunden wurde um auf Schlachtfeldern zu kämpfen.

De facto gibt es hierfür keinen logischen oder historischen Beweis der diese Theorie stützt. Selbst anerkannte Primärquellen des Krabi Krabong erzählen eine gänzlich andere Geschichte …

Primärquelle: „Das komplette Krabi Krabong“

Hier ist eine der verlässlichsten Primärquellen über Krabi Krabong, die wir finden konnten – ein Buch von 1984.

Der Titel des Buches lautet „Das komplette Krabi Krabong“. Es wurde verfasst von Ajarn Foong Koedkau, dem Vice Professor der Chualalongkorn Universität in Bangkok.

Ajarn Foong Koodkeau war ein Schüler von Ajarn Nak Thaephatsadin Na Ayutthaya persönlich.

Es erscheint daher durchaus plausibel, dass alle relevanten Fakten über Krabi Krabong in diesem Buch zu finden sein müssten.

Auf dem Klappentext des Buches steht:

„Ich kann von ganzem Herzen und ohne Scham sagen, dass Krabi Krabong ein echter Sport aus Thailand ist.“

Diese Worte sind ein direktes Zitat von Ajarn Nak Thaephatsadin Na Ayutthaya.

Ein Sport bzw. sportlicher Wettstreit ist keine Kriegskampfkunst. An dieser Stelle scheint somit keine Verbindung zwischen Krabi Krabong und einer alten Kriegskampfkunst oder Kriegführung zu bestehen.

Der gleiche Text wird im Vorwort des Buches wiederholt. Hier wird auch die Quelle dieses Zitates angegeben:

„Zitat aus dem Buch „Krabi Krabong“ von Ajarn Nak Thaephatsadin Na Ayutthaya.“

Ajarn Nak Thaephatsadin Na Ayutthayas Buch wurde im Jahr 1970 gedruckt und veröffentlicht.

Der „Vater“ des Krabi Krabong selbst behauptet also, dass es sich bei Krabi Krabong um einen Sport und um nichts anderes handelt.

Ajarn Foongs Vorwort

Ajarn Foongs Vorwort berichtet von seiner Herkunft und seinem Werdegang. Er war ein Stipendiat an der Sporthochschule und lernte ausschließlich von dort Krabi Krabong.

Auch hier findet sich kein Hinweis oder Indiz für eine Verbindung zu einer alten Kriegskampfkunst.

Replikawaffen, Imitate und Spieler

Seite 14 schreibt explizit die Verwendung von leichten Replikawaffen für das Krabi Krabong vor:

„Die Imitate für Krabi Krabong sind eine ungenaue Nachbildung von Originalwaffen, nur damit man erkennen kann, was was ist.

Die Imitate sollten aus leichten, bruchfesten Hölzern hergestellt werden. Wenn sie nicht bruchsicher sind, kann es teuer und gefährlich für die Spieler werden.“

Auffällig ist, dass der Autor über „ungenaue Nachbildungen“ und „Spieler“ anstelle von „tödlichen Waffen“ und „Kriegern“ schreibt. Er führt dies noch weiter aus:

„Die originalen Waffen bzw. nachgebildeten Waffen, die im Krabi Krabong Sport verwendet werden, lassen sich in drei Kategorien einteilen:

  1. Waffen, die den Charakter einer echten Waffe darstellen sollen
  2. Replikas zum Tanzen
  3. Replikas zum Schlagen“

Auch hier beschreibt der Autor die Verwendung von Replikawaffen und nicht die beabsichtigte Nutzung echter Waffen – für ihn scheint es sich beim Krabi Krabong offenbar um die Nachstellung von Kampfszenen und nicht um echte Kampfhandlungen zu drehen.

Das Krabi – keine echte Thai Waffe

Seite 15 zeigt die namensgebende Waffe des Krabi Krabong – das sogenannte „Krabi“.

Das Krabi wurde erst nach der Thonburi Dynastie (18. Jh n. Chr.) entwickelt. Das Design dieser Waffe zeigt Einflüsse von französischen oder portugiesischen Säbeln und auch von chinesischen Schwertern.

Das Wort „Krabi“ hat seinen Ursprung in der chinesischen Sprache und nicht im thailändischen. Dies allein macht es schwer zu behaupten, dass Krabi Krabong eine echte Thai Kampfkunst sei.

Bis zum heutigen Tage werden Krabis als Ziersäbel an thailändische Offiziere vergeben. Dieser Brauch deutet ebenfalls auf einen europäischen bzw. adligen Ursprung hin, anstatt auf eine Herkunft beim gemeinen Volk, das tatsächlich auf Schlachtfeldern kämpfte und das Land über viele Jahrhunderte hinweg verteidigt hat.

Das „Sport-Krabi“

Seite 16 zeigt ein „Sport Krabi“, das für sportliche Aktivitäten und zum Schlagen verwendet wird.

Diese Art von Replikawaffe wird üblicherweise aus leichtem, bruchfesten Rattan hergestellt und ist daher relativ leicht in der Handhabung und sicher für die Beteiligten.

Die Verwendung von solchen Replikawaffen ergibt nicht nur in Bezug auf den Zweck des Krabi Krabong als „Show, Sport und Spiel“ Sinn. Darüber hinaus ist durchaus anzunehmen, dass die Lagerung und Verwendung von echten Waffen am königlichen Hofe nach 1782 A.D. strengstens untersagt war.

Das Dab Ayutthaya

Seite 19 zeigt ein originales „Dab Ayutthaya“ (Thai Schwert aus Ayutthaya), wie es in der südostasiatischen Kriegführung über Jahrhunderte hinweg genutzt wurde.

Diese Schwerter wiegen zwischen 900-1200 Gramm und müssen mit anderen Techniken geführt werden als leichte Krabi Säbel.

Das gesamte Buch enthält keinerlei Techniken für schwere Dab-Schwerter. Laut dieser Quelle sollen alle Krabi Krabong Techniken nur mit leichten Imitaten „gespielt“ werden.

Tanz- und Schlagschwerter

Seite 20 zeigt ein „Schwert zum Schlagen“ (oberes Bild) und ein „Schwert zum Tanzen“ (unteres Bild).

Diese Replikas ähneln dem Design der Dab Lanna (Schwerter aus der Gegend von Lanna). Diese sind etwas gerader und länger als Dab Ayutthaya Schwerter.

Auch hier sieht der Autor keine Verwendung von realen Waffen vor.

Abgrenzung zu Langstöcken für Kriegszwecke

Seite 23 zeigt einen „original Langstock“ (oberes Bild) mit Metalldraht gegen Schwerthiebe an beiden Enden und einen „Tanzstock“ mit Ornamenten (unteres Bild).

Ein „Schlag-Stock“ befindet sich auf der Folgeseite.

Seite 24 zeigt einen „Langstock zum Schlagen“ mit filzummantelten Enden gegen Verletzungen.

Das gebogene Schild (Dang) ist eine ungenaue Imitation eines Thai-Schildes mit kambodschanischen und indischen Einflüssen. Derartige Schilde wurde üblicherweise zum Tanzen, aber nicht im Krieg eingesetzt. Hiervon ausgenommen sind die Wachen von Adligen, die diese Art Schild zu repräsentativen Zwecken mit sich führten.

Die Schilde des Krabi Krabong

Das rechteckige „Kaeen“-Schild wurde tatsächlich von einigen Wachsoldaten in Kombination mit Schwertern genutzt. Nichtsdestotrotz ist es eher als ein „rituelles Zierschild mit chinesischen Wurzeln“ einzuordnen und hat mit einer typischen Thai Waffe wenig gemein.

Das runde „Lo“-Schild ist ebenfalls keine echte Thai Waffe. Das Design stammt ursprünglich von portugiesischen oder italoromanischen Söldnerschilden.

Seite 28 zeigt zwei Nachahmungen von echten Thai Schilden (Maih Zoog). Dem Autor sind zwei Versionen dieser Waffe bekannt:

  1. Ein Maih Zoog für Showkämpfe. Diese Waffe ist anderen Waffen unterlegen, aber man kann sie so choreographieren, als ob ein Sieg möglich wäre.
  2. Maih Sook für Komödien (Anm. d. Red. im Sinne von Clown-Shows)

Der Autor bezieht sich auch hier nicht auf alte Kriegskampfkünste. Stattdessen beschreibt er choreographierte Bühnenkampfelemente, die auf Spaß und Unterhaltung abzielen.

Bühnenkampf und choreographierte Techniken

Diese Haltung spiegelt sich ebenso in der Auswahl der Techniken mit der der Autor das Krabi Krabong repräsentiert.

Die Techniken in diesem Buch folgen stets einer festgelegten und für die Beteiligten sicheren Choreographie.

Keine der gezeigten Techniken scheinen ernsthaft gefährlich oder von der Intention getragen zu sein, den Gegner zu schädigen.

Elemente aus dem Rammakiern

Die Techniken des Schwerttanzkapitels zeigen starke Bezüge zur indischen Rammakiern Sage.

Das Rammakiern ist ein bekanntes Theaterstück, das unter der Regentschaft von König Rama II. (1809-1824) erneut in die Thai Sprache übersetzt wurde und dadurch große Verbreitung fand.

Daraus ergibt sich ebenso, dass viele der sogenannten „alten Techniken“ (ebenso aus dem Muay Boran) im Grunde nicht älter als 200 Jahre sind, sofern sie Fantasienamen aus dem Rammakiern haben.

Doppelschwert-Techniken

Die Doppelschwert-Techniken folgen ebenfalls einer festgelegten Choreographie und weisen weitere Ähnlichkeiten zum Bühnenfechten auf. Tödliche oder schwer verwundende „Kriegstechniken“ fehlen.

In früherer Zeit wurden Doppelschwerter üblicherweise von einfachen Soldaten geführt, während sie Schulter an Schulter in Massenschlachten kämpften. Gemeine Bürger waren für gewöhnlich zu arm um sich überhaupt auch nur ein Schwert leisten zu können.

Dies kann als ein weiter Hinweis auf eine noble Herkunft des Krabi Krabong gewertet werden.

Waffenlose Techniken

Nur wenige Techniken des unbewaffneten Kampfes sind dem Werk „Das komplette Krabi Krabong“ enthalten.

Fautschläge, Ellenbogen- oder Knietechniken fehlen vollständig.

Keine der gezeigten Techniken zielt auf den Kopf des Gegners.

Dies ist bemerkenswert, weil heutzutage von einigen behauptet wird, dass Krabi Krabong auf historischen Schlachtfeldern in Kombination mit Muay Boran eingesetzt wurde. Eine historische oder gegenwärtige Verknüpfung dieser beiden Kampfarten wird jedoch nicht in diesem Buch erwähnt.

Fazit

Während es durchaus gerechtfertigt scheint, Krabi Krabong als eine Show- oder Sportkampfart zu bezeichnen, konnten wir keinerlei Hinweis oder Beleg dafür finden, dass dieser Kampfstil irgendeinen Bezug zu altertümlichen Kriegskampfkünsten oder realitätsbasierten Kampfstilen hat.

Dies sind die Fakten, die wir aus der genannten Primärquelle entnommen haben. Andere Quellen des Krabi Krabong führten zu den gleichen Schlussfolgerungen: Der wahren Geschichte des Krabi Krabong.

Bitte lassen Sie es uns wissen, falls wir etwas übersehen haben oder Ihnen ein Beweis vorliegt, der unsere Schlußfolgerungen widerlegt. Wir freuen uns auf Ihre Mitteilung!

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