Was ist ein Mongkon?

Ein Mongkon (Thai: มงคล, auch Mongkhon, Mongkol oder Mong Kon) ist ein geflochtenes Stirnband aus Südostasien, das Kämpfern als Talisman bzw. Schutzpatron dient.

Ursprung

Den Überlieferungen nach bestanden Mongkon ursprünglich aus einhundertacht (108) magischen weißen Baumwollfäden (Day Dibb), die an neun Stellen mit roten Baumwollfäden umwickelt worden waren. Die Länge des Mongkon war so bemessen, dass sie ungefähr dem Umfang des Kopfes zuzüglich zwei Faustbreiten entsprach.

Die 108 weißen Fäden, symbolisierten verschiedene mögliche Gefahrentypen aus dem jeweils vorherrschenden Glauben, vor denen es den Kämpfer zu schützen galt. Im Hinduismus, im Buddhismus und in anderen asiatischen Religionen ist 108 eine heilige Zahl mit tiefergehenden Bedeutungen. Im Buddhismus zählt man beispielsweise 108 irdischen Leidenschaften oder Sehnsüchte des Menschen. In der Thailändischen Sprache bedeutet die Zahl 108 (Thai: ๑๐๘) wiederum eine „unbeschreiblich große Menge“ von Dingen.

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Die neun roten Baumwollfäden des Mongon symbolisierten die Seelen der Glie Gauw Piehnong, den Urvätern des Pahuyuth. Durch ihren Beistand sollten die dem Kämpfer drohenden Gefahren unterdrückt bzw. gebunden werden um so nicht zum Träger des Mongkon vordringen oder auf ihn wirken zu können. Das ursprüngliche Mongkon fungierte als magischer Talisman für dessen Träger.

Die Herstellung von Mongkons geschah unter Verwendung bestimmter Rituale (siehe Magischer Gegenstand). Zu erwähnen sei, dass die Tradition der Verwendung magischen Gegenständen (Kohng Klang), wie dem Mongkon, ursprünglich nicht aus dem Thai-Buddhismus oder dem Hinduismus, sondern aus dem Brahmanismus bzw. dem Saiyasart stammt. Der thailändische Buddhismus übernahm diese Praktiken, weshalb man auch heute noch Amulette und Talismane aller Art in thailändischen Kultur vorfindet.

Weiterentwicklung

Weitere Formen des Mongkon entstanden in späteren Epochen. In Kriegszeiten wurden junge Männer als Wehrpflichtige eingezogen. Bei ihrem Abschied nahmen sie herausgerissene Stoffstreifen aus den Unterteilen der elterlichen Kleidung (Pha Nung, Sarong) mit und trugen sie als Stirnbänder oder Armbänder (siehe Prajead / Prajeat). Entsprechend der Farbe der Kleidung waren diese Stoffband meist blau, was die Liebe und Fürsorge für das Kind symbolisierte. Diese Art des Mongkon trugen hauptsächlich wehrpflichtige Soldaten, die aus den Dörfern rekrutiert und in den Krieg geschickt wurden.

Alternative Theorie

Eine weitere Theorie zum Ursprung des Mongkon geht auf die Geschichte Zaiyuh zurück, in der der Mönch Tam Gam Jang einen Ring am Kopf des Affenmenschen befestigte, um ihn kontrollieren und zugleich vor äußeren Einflüssen schützen zu können.

Chinesische Geschichtsforscher bringen diesen magischen Ring gelegentlich in Zusammenhang mit den chinesischen Kopftüchern früherer Epochen. Die Tradition, ein Stirnband zu tragen, ist jedoch fast überall in Zentral- und Südostasien weit verbreitet. Ein chinesischer Ursprung des Mongkon kann somit nicht zwangsläufig unterstellt werden. Wahrscheinlicher ist, dass das Mongkon einen südostasiatischen Ursprung hat.

In heutiger Zeit tragen vor allem Muay Thai Kämpfer bei Wettkämpfen ein Mongkon, das ihnen Glück bringen und sie vor Schaden schützen soll. Weitere Mongkon-Arten entstanden durch eine Abkehr von der ursprünglichen Bedeutung als Talisman.

Das Mongkon im Muay Thai

Ein Mongkon ist eine Art Stirnband, das beim Thaiboxen (siehe Muay Vethie) verwendet wird und den Kämpfer vor Schaden bewahren soll. Es wird dem Kämpfer vor einem Wettkampf um den Kopf gebunden. Das Aufsetzen des Mongkon wird häufig von einem verehrten Familienmitglied oder dem Lehrer des Kämpfers vorgenommen. Das Mongkon ist ein wichtiger Bestandteil der Traditionen und der Kultur des Muay Thai.

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Mongkons werden im Allgemeinen nur in Thailand bzw. bei Muay Thai Wettkämpfen getragen. In anderen Ländern wie Kambodscha oder Birma werden sie nicht genutzt. Das Tragen eines Mongkon sowie das Aufführen eines Wai Kru Ram Muay Tanzes ist im Kickboxen üblicherweise untersagt.

Warum tragen Muay Thai Kämpfer ein Mongkon?

Das Mongkon ist im Verständnis des Muay Thai ein gesegnetes Stirnband und somit ein wertvoller Talisman der dem Träger im Kampf Glück bringen soll indem er ihn vor Verletzungen schützt. Während dem Wai Kruh und Ram Muay (Boxtanz) wird der Mongkon vom Kämpfer im Ring getragen. Nach dem Ram Muay und vor Beginn der ersten Runde begibt sich der Kämpfer in seine Ecke. Der Trainer (Kru) spricht ein kurzes Gebet für seinen Schüler und nimmt ihm das Mongkon ab. Nun kann der Kampf beginnen.

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Die Bedeutung des Mongkon für den Kämpfer:

Traditionellerweise erhielten Kämpfer ihren Mongkon vom Trainer erst, wenn sie hart genug trainierten und bereit waren den Boxstall im Ring ehrenvoll zu repräsentieren. Der Trainer musste von den Fähigkeiten des Schülers vollkommen überzeugt sein.

Muay Thai Kämpfer tragen den Mongkon außerdem aus Respekt vor dem Trainer, der Muay Thai Schule, und der Sportart an sich. Zusätzlich wird damit der Dank und die Verbundenheit zu allen Personen ausgedrückt, die den Kämpfer auf dem schwierigen Weg zum Kampf begleitet haben. Somit ist das Mongkon ein Zeichen der Loyalität, aber auch der Unterordnung.

Frauen blieb es lange Zeit verwehrt ein Mongkon zu tragen, da dies Unglück bringen soll. Inzwischen sind aber viele Muay Thai Schulen und Trainer von diesen Ansichten abgewichen und erlauben auch ihren Schülerinnen ein Mongkon im Ring zu tragen.

Der richtige Umgang mit dem Mongkon:

Kämpfer, die einen Mongkon tragen, sollten niemals unter den Ringseilen oder dazwischen in den Ring steigen, sondern stets darübersteigen. Da der Kopf als höchstes Körperteil in Thailand heilig ist, würde ein durch die Seile hindurchsteigen nach allgemeiner Auffassung das Energiefeld brechen. Man sagt, eine solche Missachtung würde Unglück bringen. Zudem gilt sie als äußerst respektlos.

Zu erwähnen sei, dass sich diese Praxis vorwiegend auf männliche Kämpfer bezieht. Weibliche Kämpfer werden in Thailand auch heutzutage, einzig aufgrund ihres Geschlechts, häufig dazu angehalten unter den Seilen hindurchzukriechen.

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Ein Mongkon ist im Verständnis des Muay Thai ein heiliger Gegenstand. Es sollte stets oberhalb der Gürtellinie, optimalerweise mindestens in Schulter bzw. Kopfhöhe, getragen und aufbewahrt werden. Niemals sollte es auf den Boden gelangen. Berührt ein Mongkon den Boden, verliert er angeblich seine verliehenen Kräfte.

Die Weihung des Mongkon:

Dem Mongkon wird durch eine spezielle Weihzeremomie die spirituelle Kraft verliehen, die ihm nachgesagt wird. Dabei kann die Zeremonie sowohl von einem buddhistischem Mönch als auch einem muslimischen Imam durchgeführt werden.

Muslimische Kämpfer (vor allem im Süden Thailands und in Malaysia) betten zum Teil auch Schriftrollen mit Koranversen in den Mongkon ein. Bei thailändisch-buddhistischen geprägten Kämpfern ist es bisweilen auch üblich, Knochenfragmente eines verstorbenen Vorfahren des Kämpfers oder das Haar eines geliebten Menschen in das Mongkon einzuflechten bzw. es zusätzlich mit einem Amulett auszustatten.

An der Weihzeremonie nehmen in aller Regel die Trainer und der Kämpfer selbst teil. Schon allein durch eine solche Zeremonie wird nicht selten das Selbstbewusstsein der Kämpfer gestärkt, was sich wiederum positiv im Kampf bemerkbar macht. Auch Kämpfer die nicht die Lehren des Buddhismus leben, dürfen an der Zeremonie teilnehmen und werden nach einhelliger Lehrmeinung durch sie geschützt.

Moderne Mongkon Herstellung

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Das Mongkon als Graduierungssymbol

In jüngerer Zeit entstand die Idee, Prajeats und Mongkons in unterschiedlichen Farben als Graduierungssymbole zu verwenden (siehe Muay Boran). Die Verwendung eines Mongkon als Rangabzeichen ist jedoch eine willkürliche Abkehr von dessen traditioneller Bedeutung als Talisman.

Der Hintergrund solcher Modeerscheinungen liegt in der Regel im Bereich wirtschaftlicher Interessen, weil sich dadurch mehrstufige Prüfungssysteme bzw. Hierarchien etablieren und somit Gelder (z.B. Prüfungsgebühren) vereinnahmen lassen. Die Freikämpfer des Pahuyuth distanzieren sich ausdrücklich von derartigen Praktiken.

Das Mongkon als Halsschmuck

Eine weitere Abwandlung des Mongkon liegt im Bereich der traditionellen Trachten. Hierbei werden Mongkons als Halsschmuck bzw. vermeintlich traditionelle Tracht eingeführt. Der Ursprung dieser Praxis geht zurück auf den Wunsch, dass der Segen des Lehrers den Kämpfer vor einem Abtrennen des Kopfes durch das gegnerische Schwert bewahren möge.

Diesbezüglich sei zu erwähnen, dass südostasiatische Schwerter aufgrund ihrer Beschaffenheit, und der Art wie sie geführt werden, nicht für Enthauptungen auf dem Schlachtfeld geeignet sind und dass eine Seilschlinge, die mutwillig um den Hals getragen wird, ein unnötiges Sicherheitsrisiko für einen Kämpfer darstellt. Einen Mongkon als Halsschmuck zu verwenden ist somit für reale Kampfzwecke denkbar ungeeignet ist.

Was bleibt ist die sinnbildliche Unterwerfung vor dem eigenen Lehrer, die damit gefördert wird. Dies entspricht jedoch nicht dem ursprünglichen Zweck des Mongkon. Das Tragen von Seilen an Oberkörper und Hals stammt wiederum von Khmer-Sklaven und ist somit auch keine echte thailändische Tradition.

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