Selbstverteidigung in der Pahuyuth Schule Berlin

Während das Pahuyuth für ein Überleben in rechtsfreien Räumen konzipiert wurde, genießen wir heutzutage die Vorzüge eines Rechtsstaats in dem Gewalten zum Schutz der Bürger durch Recht und Gesetz geregelt und beschränkt werden:

Der Schutz des einzelnen ist Aufgabe des Staates.

Mit anderen Worten: Der Schutz von Rechten gegen die Verletzung ist grundsätzlich Aufgabe des Staates, abweichend von diesem Grundsatz, kann Selbstschutz durch Eingriff in fremde Rechte zulässig sein, wenn der Schutz des Staates nicht rechtzeitig oder nicht zu erlangen ist. Besonders dann, wenn die Selbstschutzhandlung besonders gestattet ist.

Als Vermittler einer traditionellen Kampfkunst und Bewahrern von überlieferten Traditionen, Kultur und Bräuchen, sehen wir uns in der Verantwortung unseren Schülern zu einem gesunden und rechtschaffenden Umgang mit ihrem Kampfwissen zu verhelfen.

Selbstverteidigung im Rahmen des Gesetzes verstehen wir daher nicht als eigenständige Pahuyuth Disziplin, sondern als fachübergreifende Kompetenz und wertvolle Grundeinstellung, die wir allen unseren Schülern vermitteln. Dabei legen wir besonderen Wert auf eine strenge Rechtskonformität und -auslegung, die wir als unabdingbare Grundlage für eine realistische Selbstverteidigung erachten.

StGB § 32 – Notwehr

(1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.

(2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.

Auszug aus dem Strafgesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland – wenn es um das Thema „Selbstverteidigung“ geht, haben geltende Gesetze bei der Pahuyuth Schule in Berlin oberste Priorität.

Altes Kampfwissen

Was wir unter „realistischer Selbstverteidigung“ verstehen:

Die Begriffe „realistische Selbstverteidigung“ oder „effektive Selbstverteidigung“ werden häufig zur Bewerbung von Selbstverteidigungskursen und -Seminaren verwendet, in denen Techniken vermittelt werden, die darauf abzielen den mutmaßlichen Angreifer durch massive Gegenangriffe möglichst schwer zu schädigen somit unschädlich zu machen.

Die Realität ist jedoch, dass ein derartiges Verhalten fast immer rechtswidrig ist und nur allzu häufig in (rechtmäßigen) Gegenklagen, Ermittlungen und Strafprozessen gegen das ursprüngliche Opfer endet – diese Realität wird zu Gunsten des Marketings gerne mal verschwiegen wird, kann aber im Zweifelsfall sehr weitreichende und äußerst reale Konsequenzen für unbedarfte Anwender haben.

Für geübte Kampfkünstler ist es verhältnismäßig einfach, Angriffe aller Art passend zu beantworten und einen oder mehrere Gegner bis auf Blut zu bekämpfen – Kämpfen ist jedoch keine Notwehr! Aus diesem Grund haben wir drei Grundregeln für eine wirklich realistische und effektive Selbstverteidigung aufgestellt.

Kämpfer im Gesetz – Drei Regeln für eine erfolgreiche Selbstverteidigung:

  1. Selbstverteidigung beginnt erst, wenn man einen rechtswidrigen Angriff nicht mehr anderweitig meiden kann.
  2. Selbstverteidigung endet genau dann, wenn der rechtswidrige Angriff abgewendet wurde.
  3. Verhalte Dich stets so wie es die Gesetze des Landes in dem Du Dich befindest von Dir verlangen!

Bedenke: Selbstjustiz ist keine Selbstverteidigung, sondern eine Straftat!

Grundsatz: Der Schutz von Rechten gegen die Verletzung ist grundsätzlich Aufgabe des Staates, abweichend von diesem Grundsatz, kann Selbstschutz durch Eingriff in fremde Rechte zulässig sein, wenn der Schutz des Staates nicht rechtzeitig oder nicht zu erlangen ist. Besonders dann, wenn die Selbstschutzhandlung besonders gestattet ist.

(zu prüfen in der Rechtswidrigkeit)

I. Notwehrlage

1. Angriff auf Rechtsgut

in Angriff ist jede durch eine menschliche Handlung drohende Verletzung rechtlich geschützter individueller Güter oder Interessen.

2. gegenwärtig

Ein Angriff ist gegenwärtig, wenn er unmittelbar bevorsteht, gerade stattfindet oder noch fortdauert. (Keine Dauergefahr!!) 

3. rechtswidrig

Der Angriff ist rechtswidrig, wenn der Angreifer seinerseits nicht gerechtfertigt ist bzw. das Opfer nicht zur Duldung verpflichtet ist. 

II. Notwehrhandlung

1. Erforderlichkeit

Eine Verteidigungshandlung ist erforderlich, die auf die schonendste Weise mit dem mildesten zur Verfügung stehenden Mittel den Angriff effektiv und endgültig abwehren kann, wobei sich der Angegriffene nicht auf das Risiko einer ungenügenden Abwehrhandlung einzulassen braucht.

a) Geeignetheit

Ausreichend ist, dass die Verteidigungshandlung den Angriff in seiner konkreten Gestalt wenigstens erschwert.

b) Mildestes Mittel

Unter mehreren gleichwirksamen Möglichkeiten ist diejenige zu wählen, die den geringsten Schaden anrichtet.

2. Gebotenheit

a) Ausnahmsweise unterliegt das Notwehrrecht Einschränkungen.

Dies ist der Fall, wenn:

– bei schuldlos handelnden Angreifern oder einger persönlicher Beziehung zum Angreifer
– Fahrlässiger Provokation des Angriffs 

Dann findet das „Drei-Stufen-Modell“ Anwendung:

(1) Zuerst Ausweichen/ Hilfe Dritter in Anspruch nehmen, ist dies nicht möglich
(2) Verhältnismäßige Schutzwehr,  ist dies nicht möglich
(3) Verhältnismäßige Trutzwehr.

b) Ausnahmsweise ist das Notwehrrecht nicht gegeben.

Dies ist der Fall, bei:

– einem krassen Missverhältnis zwischen den Folgen der Verteidigung und der drohenden Verletzung des Angriffs 
Bagatellangriffen (dort ist nur eine proportionale Verteidigung zulässig)
Absichtsprovokation 

Eine Absichtsprovokation begeht, wer zielstrebig im Sinne des dolus directus 1. Grades durch ein rechtswidriges Verhalten einen Angriff herausfordert, um den Gegner unter dem Deckmantel des äußerlich gegebenen objektiven Notwehrlage verletzen zu können. (Ein Lehrbuchfall aus dem Strafrecht dazu ist der Notwehrprovokations-Fall)

III. Subjektives Rechtfertigungselement

Verteidigungswille
Der Täter muss dem Angriff mit Verteidigungswillen entgegentreten, also die Absicht im Sinne eines zielgerichteten Wollens besitzen, den Angriff abzuwehren oder zumindest abzuschwächen.

Legitimate Self-Defense 101

Im Sommer 2017 fand in der Pahuyuth Schule Berlin ein spontaner Crash-Kurs zum Thema „Selbstverteidigung im Rahmen des Gesetzes“ statt.

Kompetente Selbstverteidigung

Mehr Selbstverteidigung