Pahuyuth - die traditionelle Trainingskleidung - Blog Artikel

Traditionelle Trainingsbekleidung im Pahuyuth

Für Außenstehende mag die traditionelle Trainingsbekleidung des Pahuyuth wie ein Anachronismus anmuten. Weder entspricht sie den gegenwärtigen Trends in Sachen Kampfsport-Funktionsbekleidung, noch sieht sie in irgendeiner Form nach Thaibox-Hose, Karateanzug, Judo-Uniform oder ähnlichem aus.

Grundsätzlich würde es keinen Pahuyuth Menschen jemals stören in anderer Trainingskleidung oder in Straßenbekleidung zu trainieren, zumal die meisten Realanwendungen nun mal nicht in diesem Outfit stattfinden. Die traditionelle Trainingskleidung erfüllt jedoch eine Vielzahl nützlicher Funktionen für das Pahuyuth Training, weshalb wir bis zum heutigen Tag an diesem Design festhalten.

Die Ursprünge

Die Pahuyuth Trainingskleidung besteht aus einem Oberteil, einer Hose und einem Gurt. Die dreiviertellange Hose war seit je her die Bekleidung der einfachen Bürger und Freikämpfer Siams, während das weit geschnittene Oberteil nach dem Vorbild der thailändischen Kampftruppen aus der Epoche von Nanjauw gefertigt ist. Das Umbinden eines Hüfttuches bzw. einer Schärpe war stets ein Bestandteil der südostasiatischen Bekleidungskultur und hat einen traditionell-repräsentativen Charakter. Die Herkunft und Bedeutung der Gurtfarben wird hier erklärt.

Die Pahuyuth Trainingskleidung dient nicht nur der Brauchtumspflege – ihr zeitloses Design bietet verschiedene praktische Funktionen.

Die Graduierungen des Pahuyuth von gelb bis blau. Mehr dazu.

Das allgemeine Design

Gefertigt wird die Pahuyuth Trainingskleidung zumeist aus naturbelassenem, festen Leinenstoff. Dieser ist schweißabsorbierend, langlebig und im Zweifelsfall sogar relativ einfach zu flicken.

Pahuyuth ist die Kampfkunst des einfachen Volkes. Daher werden in der Regel keine extravaganten Stoffarten wie beispielsweise Satin oder Seide für die Trainingskleidung verwendet. Diese würden ein schweißtreibendes Training oder ein ständiges Herumrollen auf dem Fußboden auch nicht sonderlich gut überstehen.

Die cremeweiße Farbe des Stoffes hilft beim Training etwaige Verletzungen und Blutverluste schneller zu erkennen. Im Eifer des Gefechts können immer mal kleine Kratzer, Abschürfungen oder Cuts entstehen. Diese umgehend zu sehen und behandeln zu können, dient der Hygiene und der Gesundheit der Teilnehmer.

Aus kulturell-historischer Sicht symbolisiert die Pahuyuth Trainingskleidung außerdem den Tod bzw. Leichentücher. Die Farbe weiß gilt in Asien häufig als die Farbe des Todes und der Geisterwesen.

Die Einfachheit und der Gleichheitsgedanke führen dazu, dass die Pahuyuth Trainingsbekleidung unisex ist. Der einheitliche, weite Schnitt und der grobe Stoff kaschieren Körperformen und Problemzonen gleichermaßen. Dies sorgt für eine harmonische Trainingsatmosphäre und ein konzentrierteres Lernen.

Die Pahuyuth Trainingskleidung hat in der Regel keine individuellen Stickereien, Abzeichen oder Verzierungen. 

Die Durchschnittstemperatur in Berlin (Deutschland) beträgt im Sommer 23,5°C und im Winter -2,3°C, was deutlich kühler ist als in Südostasien. Aus diesem Grund hat sich das Tragen eines einfachen T-Shirts oder eines Longsleeves unter der Trainingskleidung etabliert. An besonders kalten Tagen greifen einige Schüler auch auf Pullover, Hoodies und Funktionsunterwäsche zurück.

Trainiert wird für gewöhnlich barfuß. Sollten die Bodentemperaturen unter ein erträgliches Maß sinken, kommen Socken mit Gumminoppen zum Einsatz. Diese halten warm und verhindern ein ungewolltes Ausrutschen auf dem zumeist glatten Boden.

In den letzten Vierzig Jahren gab es immer mal wieder Tests und Versuche das Design mit speziellen Stoffen und weiteren Features zu bereichern. So gab es beispielsweise eine Zeit lang spezielle Sommer- und Wintereditionen, die bei den Schülern sehr beliebt waren. Das grundlegende Design wurde jedoch niemals geändert.

Besonderheiten des Oberteils

Der rechtwinklige V-Ausschnitt dient beim Partnertraining als Fokuspunkt und schult das periphere Sehen. In der Praxis hilft der unscharfe Blick in Richtung Brustbein dabei eine nicht-aggressive Haltung einzunehmen (kein direkter Augenkontakt) und dennoch den gesamten Körper des Gegners im Auge zu behalten.

Die schwarzen Säume an den Schultern und Ärmeln helfen die Schulterdrehungen und Armbewegungen des Gegenübers beim Training besser zu erkennen. Gerade für Anfänger ist dies eine wertvolle Hilfestellung.

Die Nähte des Oberteils verlaufen stets seitlich am Körper. Auf eine Naht die entlang der Wirbelsäule verläuft, wurde bewusst verzichtet, weil diese bei Fall- und Rolltechniken behindern, wenn nicht sogar ein Sicherheitsrisiko darstellen würde.

Besonderheiten der Hose

Die Hose besteht üblicherweise aus dem gleichen Material wie das Oberteil. Sie reicht bis knapp über das Knie und bietet genügend Bewegungsfreiheit für hohe Kicks und alle erdenklichen Arten von Fall- und Rolltechniken.

Die Hose hat keine Taschen, um zu verhindern dass Trainingsteilnehmer aus Versehen harte, scharfe oder spitze Gegenstände einstecken, die während des Trainings ein großes Sicherheitsrisiko darstellen können.

Gelegentlich sieht man ein schwarzes Stoffband an der Seite der Hose. Dies ist der sogenannte „Kämpferstreifen“ der den Träger unabhängig von seiner Graduierung als Kämpfer der seine Fähigkeiten öffentlich unter Beweis gestellt hat identifiziert. Der Kämpferstreifen symbolisiert die Schnüre mit denen Verstorbene in Leichentücher gewickelt wurden. Träger eines solchen Streifens sind im übertragenen Sinn im Kampf gefallene Krieger, die sich Kraft ihres Kampfwissens dem Tod widersetzen.

Kämpferstreifen erhalten Schüler der Mittelstufe (Weißgurt) oder Schüler der Basisstufe (Grüngurt), die an einer öffentlichen Vorführung oder bei einem Wettkampf teilgenommen haben.

Der Gurt

Im Pahuyuth gibt es sieben verschiedene Gurtstufen und eine Sondergraduierung. Jede dieser Gurtstufen hat ihre eigene eigene Bedeutung.

Der Gurt wird sowohl von Männern als auch von Frauen um die Hüfte getragen und mit einem speziellen Knoten gebunden.

Weitere Informationen zu den Graduierungen und Gurtstufen des Pahuyuth finden sich in einem separaten Blog Artikel.

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