was ist ein tempel boxkampf

Als Tempel-Boxkampf (Muai Wat) bezeichnete man Boxkämpfe, die in buddhistischen Tempeln abgehalten wurden. In Abgrenzung zum Muay Prathom Jedi wurden diese Kämpfe vor allem zwischen Tempelkindern (Dek Wat) ausgetragen

Hintergrund

Das Wissen um den Boxkampf wurde in früheren Zeiten unter anderem durch die buddhistischen Tempel verbreitet. Die erfahrenen Kämpfer, die sich zur Ruhe setzten oder ihren Lebenszweck der buddhistischen Lehre widmeten, begaben sich als Mönche in den Tempel. Die buddhistischen Tempel fungierten sowohl als Unterrichtsstätte wie auch als Erziehungsanstalten und Auffangstellen für männliche Jugendliche und für Waisenkinder.

Im Allgemeinen schickten die Eltern ihre Kinder ab einem bestimmten Alter tagsüber in den Tempel, um lesen und schreiben und nicht unbedingt die Kampfkunst zu erlernen. Jugendliche, die sich für für das Kämpfen interessierten, bewarben sich bei einem Lehrer bzw. Mönch zur Aufnahme als Lugsidt (Probeschüler). Es wurden den Mönchen auch Jungen, welche ihre Eltern verloren hatten, zugewiesen sowie Jungen den Mönchen bei Erziehungsproblemen oder wegen Erziehungsmaßnahmen (z.B. bei schwerer Erziehbarkeit) ausdrücklich anvertraut. Solche Dek-Wat genannten Tempelkinder hatten die Möglichkeit, die Kampfkunst zu erlernen.

Der Umfang in der Vermittlung der Kampfkunst, insbesondere beim Faustkampf, war von dem Wissensstand und dem Willen des Lehrers abhängig. Die Unterscheidung zwischen LING LOM und den verschiedenen Variationen des MUAI war noch nicht bedeutsam, da im bewetteten Kampf alles wie zuvor erlaubt blieb.

Bei den Feierlichkeiten des Tempels wurden Dek-Wat als Kandidaten aufgestellt, um fremde Kämpfer zur Teilnahme zu motivieren und dem Tempel Zuschauerspenden zugute kommen zu lassen. Bei dem Kampfantritt gegen Dek-Watt mussten die Kämpfer auf alles gefasst sein, da alles andere als Kampftechniken zum Vorschein kommen konnte.

Die Bezeichnung Muai Wat (siehe Tempelkampf) kommt daher, dass die Tempel Kämpfe veranstalteten, bei denen Dek-Wat als Kandidaten aufgestellt waren. In der Neuzeit bis heute werden Kämpfer als Muai Wat bezeichnet, wenn das Kampfverhalten unfair ist oder außerhalb der gültigen Regeln, z.B. durch Beißen, an den Haaren ziehen, Spucken, Fluchen oder Beleidigen des Gegners, ausgeübt wird.

Erst unter dem Thai-König Rama V. (Pra Jullajom Gauw 1868 – 1910 n.Chr.) der die Leibeigenschaft amtlich abgeschafft hatte, wurde die Entwicklung des (damals noch Chock-Muai genannten) Sportkampfes Muay-Thai zu seiner heutigen Beliebtheit eröffnet.

Im Gegensatz dazu wurde die Kampfkunst MUAI, wegen des rückläufigen Lehrangebots und der Distanzierung von Chock-Muai nur noch in kleinerem Kreis betrieben. König Rama V hat eine Vorliebe für die Show- und Sportkampfart Krabi Krabong, weshalb auch das Interesse an der Veranstalung von Chock Muai Kämpfen abflaute.