was ist kampf des alten lehrers

Als Kampf des alten Lehrers (Muai Kru-Tau) bezeichnet man eine schwer durchschaubare Strategie, die unter MUAI-Kämpfern als höchste gilt und von vielen angestrebt wird.

Der Kampf des alten Lehrers verlangt die vollendete Beherrschung des MUAI, denn der Kämpfer darf im gesamten Verlauf des Kampfes keinesfalls den Überblick verlieren und muß alle von dem Gegner ausgeführten Angriffs- und Abwehrtechniken im Kopf behalten, um den Kampf zu überstehen.

Durchführung

Grundsätzlich führt der Kämpfer vorwiegend Basistechniken (Mae Mai) aus, um erst in einem von ihm bestimmten Moment eine Technikvariante (Look Mai) einzubringen. Technikvarianten werden zur Eröffnung oder Beendigung von so wie als Technikkombination (Mai Gon) mit den jeweiligen Basistechniken durchgeführt.

Die Varianten werden in Form unterschiedlicher Techniken in sich gleichenden Kampfpositionen durchgeführt. Ein und dieselbe Variante wird in einem Kampf nicht mehr als dreimal eingesetzt.

Erste Technikvariante

Der erste Einsatz einer Technikvariante dient der Einschätzung der Kenntnisse und Fähigkeiten des Gegners. Dessen Reaktion entscheidet über eine Wiederholung. Je geringer die Reaktion ausfällt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung der Variante, insbesondere wenn der Gegner falsch reagiert hat.

Zweite Technikvariante

Das zweite Mal wird eine Technikvariante nur halb ausgeführt um zu prüfen, ob und wieweit der Gegner tatsächlich über entsprechende Abwehrtechniken verfügt. Nur der Ansatz allein läßt schon Rückschlüsse auf die zu erwartende Reaktion des Gegners zu, eine vollständige Ausführung hingegen birgt hingegen die Gefahr eines Nachteils für den Kämpfer.

Weiterführung

Hat der Kämpfer festgestellt, daß sein Gegner gegen die geführte Technikvariante wehrlos ist, registriert er dies und setzt den Kampf ganz normal fort. Außerdem wird er dieselbe Variante vorerst nicht wiederholen, sondern dazu übergehen, die Kampffähigkeit seines Gegners abzuschwächen.

Im Durchschnitt wählt der Kämpfer etwa drei bis fünf Varianten aus, mit denen er den Kampf für sich entscheiden will. Bis zu seiner Entscheidung den Kampf zu beenden, wird er weitere Varianten ausführen, um neue Erkenntnisse für sich zu gewinnen.

Je mehr der Gegner sein Wissen zeigen muß, desto mehr bereichert der Kämpfer auch sein eigenes Wissen. Gleichwertige Gegner sind wiederum in der Lage, dem Kämpfer eine Falle zu stellen, indem sie zweimal eine Technikvariante durchgehen lassen, um sie erst beim dritten Mal zum Scheitern zu bringen. Sowohl der Kämpfer als auch sein Gegner werden ständig darum bemüht sein, so wenig Wissen wie möglich preiszugeben, Reaktionen vorzutäuschen oder eine Variante des anderen wie ein Spiegelbild zurückzugeben.

Abschluss

In Kämpfen mit einem unterlegenen Gegner wird diese Strategie mehr zum belehrenden Kampf (Sorn Muai) hin tendieren, wobei der Kämpfer den Zeitpunkt und die Techniken für den entscheiden Schlag selbst auswählt. Dabei handelt es sich um eine eher spielerische Kampfführung, die dem unterlegenen Kämpfer nicht nur eine Niederlage sondern auch eine schwere Demütigung beifügen kann (siehe Gesichtsverlust).

Gleichwertige Kämpfer wiederum lassen es in der Regel während des gesamten Kampfes nicht zum Entscheidungsschlag kommen. Stattdessen bleibt es mehr oder weniger bei einem Unentschieden. In einem solchen Fall werden sich die Kämpfer ganz selbstverständlich in gegenseitigem Respekt voneinander trennen, ohne einen Sieg oder eine Niederlage herbeizuführen.

Ist der Kämpfer seinem Gegner aber sehr weit überlegen, kann er den Kampf in zwei Formen beenden:

  • Der Kämpfer wird entweder einen Entscheidungsschlag ausführen, der als Strafe für die Anmaßung die angemessene Härte aufweist.
  • Der Kämpfer seinem Gegner einen Gnadenstoß, der dem Verlierer Respekt für den bewiesenen Mut zum Kampfantritt verleiht.

Historische Bedeutung

In früheren Zeiten wurde bei MUAI-Kämpfen auf die erfolgreiche Durchführung oder Vereitelung von Techniken gewettet. Der Ausgang eines Kampfes war dabei sekundär, denn die eigentliche Faszination lag darin zu sehen, ob es einem Kämpfer gelänge, seine Techniken und Taktiken erfolgreich durchzusetzen oder nicht. Erst durch die Industrialisierung des Muay Thai verschob sich der Schwerpunkt auf, für die breite Masse leicht verständliche, Punkte, Siege und Niederlagen.

Für Kenner der Materie dürfte ein Aufeinandertreffen zweier Kämpfer, die beide den Kampf des alten Lehrers beherrschten, ein absolut überragendes Ereignis und hochgradig faszinierendes Schauspiel gewesen sein.