Saiyasart der rikschamann

Der Rikschamann

Eine Saiyasart-Kurzgeschichte über Hoffnungen, Wünsche und den eigentlichen Sinn des Daseins.

Von: Plaitamin
Übersetzt von: Buffy

Auf einem einsamen und verlassenen Weg zwischen zwei Ortschaften, getrennt von bereits abgeernteten Reisfeldern, zog ein Mann gelassen seine leere Rikscha. An diesem Nachmittag schien die Sonne unbarmherzig. Etwas Schatten boten nur vereinzelte Bäume am Wegesrand. Weit und breit war keine andere Menschenseele zu sehen. Alles wirkte normal und alltäglich. Der Rikschamann war wieder einmal in Selbstgespräche vertieft.

R: Was tue ich hier tagein und tagaus? Ich schiebe und ziehe die leere Rikscha von einem Ort zum anderen, kann aber bislang keinen Passagier finden. Damit würde meine Arbeit wenigstens Sinn machen.

?: Es ist wie Dein eigenes Leben. Der Sinn liegt nicht in dem was Du tust, sondern in Deiner Rikscha, wie sie sich am besten und schnellsten vom „hier“ nach „dort“ bewegen lässt!

R: Wozu soll ich die Rikscha weiter führen, wenn ich keine zahlenden Passagiere habe? Was ich bisher verdient habe, das reicht gerade so zum Überleben.

?: Ja, das ist wohl wahr. Wegen Deiner Hoffnung und dem Wunsch irgendwann gut zahlende Passagiere zu finden, um eventuell zu Reichtum zu gelangen und dann keine Rikschas mehr führen zu müssen, schiebst und ziehst Du weiterhin deine Rikscha jeden Tag.

R: Wenn ich also keine Rikscha mehr ziehe, was passiert dann mit mir?

?: Die Rikscha braucht nun mal den Rikschamann um sie zu führen, und nicht umgekehrt. Was aus Dir ohne Rikscha werden kann, da sind die Möglichkeiten unendlich!

R: Dann kann ich ja gleich aufhören ein Rikschamann zu sein!

?: Ja, dann verlässt Du auch gleichzeitig alles was mit der Rikscha zusammenhängt. Auch die Wünsche, Hoffnungen und alle Zukunftsgedanken eines Rikschamannes. Übrig bleiben Dir nur die belastenden Gedanken. Die Sorgen um die Rikscha und der Kummer, wie bei einem Rikschamann üblich. Und damit hinderst Du dich selbst daran zu etwas anderem zu werden!

R: Was sollen mich Rikschas noch interessieren, wenn ich weiß wie man sie baut, wie es sich anfühlt sie zu benutzen, und sie dann letztendlich kaputt gehen?

?: Ich spreche nicht von der Vergänglichkeit des Seins einer Rikscha. Sondern von Deinen Sorgen und Nöten als Rikschamann, allem was Du im Laufe Deines Lebens als eben dieser erlebt hast, und an denen Du Dich nun so verzweifelt festhältst!

R: Wer bist Du eigentlich? Bist du ein blinder Passagier?

?: Nein nicht direkt, ich bin nur ein Begleiter, ein „Sammler der Erinnerungen“ der nur vorübergehend bei Dir ist. Der all Deine Erlebnisse als Rikschmann aus deinem Inneren heraus dokumentiert und archiviert, damit ich selber verstehe, was es bedeutet ein Rikschamann zu sein.

R: Aber wie soll ich verstehen ob du nicht auch nur ein Teil von mir bist? Wie soll ich den Zusammenhang verstehen zwischen mir, meinem Körper und dir?

?: Ja, das ist einfach. Du selbst bist der „Rikschamann“, oder auch „ich“, weil Du es so für Dich verstanden hast. Die Rikscha ist wie Dein eigener Körper, den Du für Deinen Lebenszweck benutzt. Du hast sie nur angenommen, aber Du behauptest, dass sie ein Teil von Dir selbst sei. Ich selber bin ein Fremder in Dir, der weder ein Rikschamann ist, noch zu einem Körper eines Rikschamannes gehört. Du würdest mich eine „Seele“ nennen.

R: Habe ich überhaupt eine Zukunft?

?: Nein, nur die Gegenwart als „Rikschamann“. Und das bleibt auch so, bist Du den Unterschied zwischen dem „etwas Erreichen“ und „dem eigentlichen Erleben“ verinnerlicht hast. Dann kannst Du in eine andere Gegenwart übergehen!

R: Und was war meine Vergangenheit?

?: Du kennst nur die Vergangenheit als Rikschamann. Du kannst nur diesen Aspekt betrachten. Ich kenne und verstehe aber unzählige Varianten davon, Du bist allerdings nur eine dieser Varianten.

R: Wer bin „Ich“ dann außer einem Rikschamann?

?: Du bist nur ein Gedanke, eine „Projektion“ vom „Hier und Jetzt“, nichts weiter….!

Plaitamin, Dezember 2014

Mehr Saiyasart

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