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Das Mädchen am Wegesrand

Eine Saiyasart-Kurzgeschichte über Wünschen, Wollen und menschliche Wertschätzung.

Von: Plaitamin

Es war einmal ein abgelegenes Dorf das im dichten Dschungel lag. In der Nähe dieses Dorfes gab es einen Pfad, der zwei größere Städte miteinander verband. Weil es vom Dorf aus keinen direkten Zugang zu diesem Pfad gab, hatten die Dorfbewohner nur selten Kontakt zur Außenwelt. Nur gelegentlich hörten sie Geschichten über das zivilisierte Leben in den weit entfernten Städten und besonders die jüngeren Dorfbewohner träumten davon, dieses irgendwann einmal zu erleben.

Eine dieser Dorfbewohnerinnen war ein junges Mädchen, das davon träumte eines Tages in die Stadt zu reisen und das Stadtleben kennenzulernen. Sie war bildschön und zuversichtlich, dass sie eines Tages einem Mann begegnen würde, der ihre Anmut und Intelligenz zu würdigen wisse. Sie träumte davon, dass ein solcher Mann sie dann in eine der beiden Städte mitnehmen würde, wo sie eine Familie gründen und glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben könnten.

Für die Männer ihres Dorfes hatte das Mädchen nur Verachtung übrig, weil sie ihr nur ein einfaches Dorfleben, fernab der ersehnten Zivilisation bieten konnten. Ein solches Leben zu führen, kam für das Mädchen jedoch nicht in Frage. Sie wusste, dass sie zu höherem bestimmt war – zumindest wenn es nach ihrem Wunsch und Willen gehen sollte.

Eines Tages beschloß das Mädchen, ihren Wunsch wahr werden zu lassen und das eintönige Dorfleben hinter sich zu lassen. Sie raffte all ihr Hab und Gut zusammen, welches aus ihrem besten Kleid und ein paar wenigen Habseligkeiten zur Schönheitspflege bestand. Dann machte sie sich auf den beschwerlichen Weg zu dem sagenumwobenen Pfad zwischen den zwei Städten, der ihr endlich das ersehnte Glück bringen sollte.

Dort angekommen postierte sie sich gut sichtbar am Wegesrand und lächelte den vorbei reisenden Männern zu. Durch ihre freundliche Offenheit und unbefangene Natur kam sie leicht mit ihnen ins Gespräch und erfuhr so über Neuigkeiten und das Leben in der Stadt. Dabei erkundigte sie sich stets, nach dem Stand und den Besitztümern der Männer und wies jene ab, von denen sie meinte, dass sie ihren Ansprüchen nicht genügen könne. Immerhin träumte sie von einem glücklichen Leben in der Stadt und ein armer Mann könne ihr dies wohl genauso wenig bieten, wie die Männer aus ihrem Dorf.

Die meisten Männer die dem Bild ihres Wunschpartners entsprachen, interessierten sich nur für Äußerlichkeiten und waren meistens sehr in Eile. Die einzige Möglichkeit, die das Mädchen kannte, um sie von ihren Qualitäten als Ehefrau zu überzeugen, war die Nächte mit ihnen zu verbringen. Einige von ihnen blieben dann für ein paar Tage, die meisten von ihnen waren jedoch schon am nächsten Morgen fort.

Ereignisse wie diese wiederholten sich tagein tagaus, doch die Trauer des Mädchens währte immer nur kurz. Sie tröstete sich mit dem Gedanken, dass es es nächsten Mal bestimmt besser laufen würde und schwor sich niemals ihren Mut und ihre Zuversicht zu verlieren. Im Laufe der Zeit hörte sie viele Versprechungen von vielen Männern, doch keiner von ihnen kehrte jemals zu ihr zurück. Alles was sie zurückließen, waren vaterlose Kinder, die von dem Mädchen, das mittlerweile zu Frau herangereift war, großgezogen wurde.

Jeden Abend erzählte die Frau mit Begeisterung ihren Kindern, von dem zivilisierten Leben in der Stadt, dass sie ihnen eines Tages bieten würde, wenn nur der richtige Mann am Wegesrand erscheinen würde und sie alle mitnehmen würde. Großherzig und schön würde er sein, so wie die Stadt von der so viele Reisende ihr schon berichtet haben, bevor sie sie verließen.

Die Jahre gingen ins Land und noch immer wartete die Frau am Wegesrand auf ihren Traummann, als eines Nachts einer jener Männer, die sie einstmals abgewiesen hatte, den Pfad entlang lief. Sie grüßte ihn freundlich lächelnd und fragte, wie es ihm in der Stadt ergangen sei.

Der Mann grüßte zurück und erwiderte, dass er die Stadt gesehen habe. Seine Enkel seien mittlerweile aber schon groß und einige von ihnen bereits verheiratet. Er hingegen sei schon alt, daher sei an der Zeit für ihn gewesen den langen Weg zurück zu gehen und zur Ruhe zu finden.

Die Frau verstand nicht und sagte, dass sie hoffe, dass schon bald ihr zukünftiger Liebster an diesem Pfad vorbeikommen würde, um sie und ihre Kinder endlich mit in die Stadt zu nehmen und dort ein glückliches Leben führen zu können.

Der Mann blickte sich um und sah nur die alte Frau allein am Wegesrand stehen. Einen Moment lang hielt er inne, dann lächelte er die Frau mitfühlend an und sagte:

„Es ist ein tragisches Schicksal. Du wünscht Dir noch immer, was Du für ein glückliches Leben nicht gebraucht hättest.“

Dann verabschiedete er sich von ihr und ging weiter seiner Wege. Zurück blieb nur das Mädchen am Wegesrand.

Plaitamin, Dezember 2011

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